For my German Friends of The Three Feathers

Das erste Kapitel der Deutschen Uebersetzung ist in meinem Besitz. Ich habe es hier drangehaengt. Das ist noch nicht die entgueltige Fassung aber diese Version kommt dem Endprodukt schon sehr nahe. Ich hoffe es gefaellt euch. Das Buch gibts zu Weihnachten im Paperback und fuer den Kindle.

Kapitel 1 – Träume

Es war einmal ein junger Hahn, der lebte auf einem Bauernhof am östlichen Ufer des Großen Sees, irgendwo zwischen dem Hochland im Süden und den saftigen Wiesen des nördlichen Tieflandes. Sein Name war Joshua Aylong.

Joshua führte ein komfortables Leben. Er wachte über die Hennen in seinem Stall und beschützte sie vor Feinden, und jeden Morgen genau um 4:45 kündigte er den neuen Tag an. Seine Federn hatten die Farbe der über den Bergen aufgehenden Sonne: sein Rücken war tiefrot und seine Brust orange. Seine Schwanzfedern schimmerten bläulich und je nachdem wie die Sonne darauf schien, wirkte er eher wie ein tropischer Vogel als wie ein Hahn. Die Hennen liebten seine auffälligen Farben, und da er ein kluger Hahn und sich seiner Selbst wohl bewusst war, entging ihm das nicht. Er genoss jede Minute, die er sich in der Aufmerksamkeit sonnen konnte. Oft stolzierte er mit hoch erhobenem Haupt vor den Hennen und Küken auf und ab und zeigte sich von seiner besten Seite.

Aber nachts, wenn alles still war, wenn er nicht geschäftig herumpickte oder durch den Pferch schritt, wenn die letzten Sonnenstrahlen hinter dem Großen See im Westen verschwunden waren, spürte Joshua, wie sich in ihm eine Sehnsucht regte. Er konnte diese Sehnsucht weder erklären, noch darüber sprechen. Er konnte sie nicht einmal vollständig begreifen. Sie war einfach da, sobald die Geräusche des Tages verstummten, das geschäftige Treiben im Stall abebbte und Ruhe einkehrte. Die Sehnsucht fühlte sich an wie ein Ziehen – manchmal auch wie ein Schieben, aber meistens war es eher ein Ziehen. Woher sie kam, wusste er nicht.

Eines Nachts, irgendwann zwischen Mitternacht und zwei Uhr morgens, als nur die ferne Brandung des Meeres an den Klippen die Stille durchbrach, dämmerte es ihm: Er suchte nach etwas. Etwas Größerem. Etwas Weiterem. Etwas… Riesigem. Etwas, das mehr war als das, was er jeden Tag vor sich sah.

In diesem Moment, als der Mond hoch über den dunklen Hügeln stand und sich die Silhouetten der Hennen im Stall schwarz gegen das Fenster abhoben, beschloss er, sich auf die Suche zu machen. Was immer es auch war, das er suchte, er musste es finden. Es erschien ihm alles ganz logisch. Er würde einfach auf den höchsten Ast springen, den er im Pferch finden konnte, und seine Flügel ausbreiten. Dann würde er in einer Art Kombination aus einem weiten Satz und kräftigem Flügelschlagen über den Zaun fliegen und auf der anderen Seite landen. Von dort aus würde er einfach loslaufen.

Aber zwei Minuten und zwölf Sekunden nachdem er diesen Gedanken gehabt hatte, wurde er von einem Geräusch außerhalb des Pferches abgelenkt und vergaß alles wieder. Dann überkam ihn plötzlich eine große Müdigkeit und er fiel in einen traumlosen Schlaf, aus dem er am nächsten Morgen – pünktlich wie ein Uhrwerk – um 4:44 Uhr erwachte, um den Tag auszurufen.

In den nächsten Monaten geschah nichts Bemerkenswertes. Nichts störte die tägliche Routine. Joshua hatte die klare, wolkenlose Nacht völlig vergessen und mit ihr seinen Entschluss, sich auf eine Reise zu begeben. Nur einige Male, während er nach Körnern pickte, einen Streit zwischen zwei Hennen schlichtete oder in seinem prächtigen Farbenkleid durch den Pferch stolzierte, hielt er inne – als hing er einem fernen Gedanken nach oder würde von einer flüchtigen Erinnerung oder einem vagen Gefühl erfasst. Aber im nächsten Moment war es schon wieder vorbei und er kehrte zu seinen Aufgaben zurück. Doch dann kamen die Träume.

Zuerst waren sie neblig, verschwommen, nicht einmal richtige Träume. Rätselhafte, wolkige Gebilde, deren Konturen nur an den Rändern erkennbar waren. Doch im Lauf der Zeit entstand ein Bild aus dem Nebel, wie eine Figur, von unsichtbaren Händen aus Ton geformt. Joshua erkannte allmählich etwas, das aussah wie eine riesige Höhle. Die massiven Wände, von denen nur der untere Teil sichtbar war, verloren sich in der Ferne in Richtung einer unsichtbaren Decke, die in geheimnisvollem Zwielicht lag. Joshua war ganz allein in der riesigen Höhle. Er lief über den sich ständig verändernden Boden aus Sand und mit silbrigem Moos bedeckten Steinplatten, und schien sich auf einen bestimmten Punkt in der Ferne zuzubewegen. Jedes Mal, wenn er sich auf diesen Punkt konzentrieren wollte, wachte er auf. Jede Nacht versuchte er es erneut und mit der Zeit kam er seinem Ziel näher und näher. Tagsüber grübelte er über den Traum nach, wurde zerstreut und konzentrierte sich nicht mehr richtig auf seine Aufgaben. Die Hühner im Stall sorgten sich langsam um ihn. Eines Nachts, während eines besonders lebhaften Traums, glaubte er, eine große Feder in der Ferne zu sehen. Aber beinahe augenblicklich war das Bild wieder verblasst, sodass er sich nur noch mehr danach sehnte, es wiederzusehen.

In dieser Zeit begann er, häufiger und heftiger als er es wollte, auf die Hennen loszupicken. Er verstand selbst nicht, warum er plötzlich so frustriert war. Seine täglichen Aufgaben bedeuteten ihm immer weniger und die kleinen Freuden, die er in der Regel im Laufe des Tages erlebte, wurden immer seltener und waren bald ersetzt durch ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. „Was hat das überhaupt für einen Sinn“, dachte er immer wieder. Die Hennen hätten schwören können, dass die Farben seines Federkleides in dieser Zeit an Glanz verloren und dass seine stolze und charismatische Ausstrahlung schon fast nicht mehr vorhanden war.

Joshua wollte, dass der Traum aufhörte. Er wollte einfach seine Ruhe haben und nicht jede Nacht durch die endlose Weite der Höhle wandern, nur um sich langsam auf irgendetwas zuzubewegen, das für immer unerreichbar schien. Manchmal überlegte er während des Traumes, ob er nicht einfach umdrehen und in eine andere Richtung laufen sollte. Aber es schien keinen anderen Ort in der gewaltigen Höhle zu geben, den es sich aufzusuchen lohnte als der, zu dem er unterwegs war.

Irgendwann erreichte er einen Fluss, kristallklar und von tiefem Türkisblau. Für eine Weile lief er ihn langsam entlang. Eines Nachts träumte er, dass er sich am Ufer niederlassen und sterben würde. Er würde seine Federn, sein Fleisch und Blut und seine Knochen einfach zurücklassen, ebenso wie seine Erinnerungen, seine Gedanken und alles was ihn ausmachte. Doch so sehr er es auch versuchte, es klappte nicht. Und obwohl er sich mehr tot als lebendig fühlte, schien er nicht in der Lage zu sein, völlig aufzugeben.

Und dann, in einer Nacht im tiefsten Winter, als das Land und die Hügel hinter dem Hof von frischem Schnee bedeckt waren und die eisigen Zungen der Kälte in den Stall krochen, wurde das Bild in seinem Traum plötzlich klar. Er wusste, dass er noch einen weiten Weg vor sich hatte, aber er konnte nun die Höhlenwand erkennen. Er stellte fest, dass der hellere Farbton in der Wand, den er schon länger wahrgenommen hatte, in Wirklichkeit eine kleinere Höhle war. Ihre Decke strahlte einen leichten Schimmer aus, als befände sich hinter den dicken Mauern eine gewaltige Lichtquelle. Als er näher kam, sah er, dass das Licht die Wände nahezu durchsichtig machte. Und als er genauer hinsah, konnte Joshua kleine Fäden erkennen, die sich wie Adern durch den transparenten, kristallenen Stein zogen. Das Licht beleuchtete die Höhle gerade genug, um zu erkennen, was sich darin befand.

Als er die Höhle betrat, die nur im Vergleich mit der größeren Höhle klein zu nennen war, war er wie gebannt von der Schönheit der Muster auf den Wänden und der Decke. Die venenähnlichen Linien sahen aus wie Flüsse auf der Erde, die man von hoch oben betrachtete. Es gab schmalere, dunkle Vertiefungen, die wie große Gewässer in tiefem Blau schimmerten, tiefe Gletscherspalten und Gebirgszüge, durchzogen von grünen und quarzschimmernden Flecken, die an Weiden erinnerten. Joshua hatte das seltsame Gefühl, eher auf eine sehr detaillierte Landschaft hinunterzublicken, als zu einer Steindecke hinauf. Kurz erfasste ihn ein Schwindel, bis er sich an das auf den Kopf gestellte Bild gewöhnt hatte. Noch nie hatte er etwas Vergleichbares gesehen und in keiner Vorstellung und keinem Traum hatte er jemals solche Schönheit erlebt.

Und dann folgte er mit den Augen dem türkisfarbenen Schimmer von etwas, das aussah wie ein großer Fluss, bis hinunter zu der Stelle, an der die Decke den Boden erreichte. Dort stand ein zylinderförmiger Stein, ganz schwarz und glatt wie polierter Quarz. Auf seiner Oberfläche lagen drei Federn. Als Joshua sie genauer in Augenschein nahm, schienen sich ihre Farben zu verändern. Zuerst reflektierten sie das Rot, Orange und Blau seines eigenen Gefieders, dann aber nahmen sie jede Farbe des Regenbogens an, von tiefstem Grün über Gelb zu Blau. Er konnte seinen Blick nicht von ihnen abwenden. Er war davon überzeugt, dass sie die kostbarsten Dinge waren, die im gesamten Universum existierten und in diesem Moment, in diesem Traum, erlebte er zum ersten Mal das Gefühl, vollkommen geliebt zu werden. Das Gefühl überwältigte ihn und er erwachte.

Der Stall lag immer noch in völliger Dunkelheit. Als er die Hennen auf ihren Stangen um ihn herum betrachtete, strömte das intensive Gefühl von Liebe, das er in seinem Traum gespürt hatte, aus ihm heraus und in den Stall hinein, und einen Moment lang empfand Joshua für all die Hennen dieselbe allumfassende Liebe. Er liebte sogar die Stangen selbst, die Wände des Stalls, den heubedeckten Boden, das Fenster und die Nacht dahinter. Es gab nichts, was er nicht in seine Liebe einschloss. Noch einen kurzen Moment lang war er so ergriffen, das Gefühl verweilte einen Augenblick und löste sich dann auf wie eine Sternschnuppe, die in den Nachthimmel verschwindet. Es ließ ihn leer und kalt zurück und er fühlte sich einsamer als je zuvor. Die warmen Körper der Hennen im Stall konnten ihm keine Wärme, keinen Beistand bieten oder ihm helfen, die Wunde in seiner Seele zu schließen. Er war allein.

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